Winkelfehlsichtigkeit
(latentes Schielen, Heterophorie)


Bei 70-80% der Bevölkerung kommt es zu einem Abweichen der Augenachsen von der optimalen Stellung (Orthostellung = parallel in der Ferne, konvergent in der Nähe), wenn die Bildverschmelzung (Fuison) verhindert wird. Dieses latente Schielen (Winkelfehlsichtigkeit, Heterophorie) kann - von Mensch zu Mensch verschieden - als Auswärts-, Einwärts- oder selten als Höhenabweichung auftreten.

Wird das beidäugige Sehen nicht behindert, so wird diese Neigung zur Abweichung durch Fusion ausgeglichen. Symptome und damit Krankheitswert bekommt die Winkelfehlsichtigkeit erst, wenn bei Fusionsanstrengung Schmerzen oder Verspannungen auftreten oder sogar Doppelbilder wahrgenommen werden. Doppelbilder enstehen dann, wenn die Abweichung nicht mehr spontan fusioniert werden kann (zeitweise oder dauernde Dekompensation).

Kleine Abweichungen können in der Regel gut mit Prismengläsern ausgeglichen werden.

Maß der Prismenwirkung ist die Höhe der Ablenkung (h) des Lichtes in 1 m Entfernung (d)[cm/m (bzw. pdpt = Prismendioptrie)]

Prisma1

Die Umrechnung von Winkelgrad nach Prismendioptire erfolgt näherungsweise nach folgender Formel: Schielwinkel [°] = Korrektionsprisma [cm/m] • 0,57

Prisma2

Funktionsprinzip der Prismenfolie:
Auflösung des Blocks in viele kleine einzelne Prismen

Wann sind Prismen indiziert:


Phorien mit intermittierender oder permanenter Diplopie
Phorien mit asthenopischen Beschwerden (ohne Diplopie)
Augenmuskelparesen mit Diplopie in Hauptblickrichtung
Normosensorisches Spätschielen (dekomp. Phorie im Kindesalter)
Spontandiplopie bei manifestem Begleitschielen
Funktionelle Verbesserung bei Strabismus-Patienten (ohne Diplopie)
Kongenitaler Nystagmus mit Beruhigung durch Konvergenz


Prisma 3

Adduzierende Prismen
(Basis außen)
- korrigieren Konvergenz
- erzeugen sensorisch Divergenz
Abduzierende Prismen
(Basis innen)
- korrigieren Divergenz
- erzeugen sensorisch Konvergenz